Zur Vertonung von "Korf und Palmström wetteifern in Notturnos", einer Gedicht-Trilogie von Christian Morgenstern:

Diese drei kurzen Gedichte sind voneinander so verschieden, als ob tatsächlich jedes einzelne von einem anderen Autor stammte. Es war für mich eine Herausforderung deshalb, jedem einen eigenen Stil zu geben: Das Gedicht "Die Priesterin" ist eine wunderbar beschwingte, prächtig ausgeschmückte Erzählung. Ich versuchte, dies durch etliche Intervallsprünge in der Gesangsstimme nachzuempfinden, Zwischenspiele mit Klangmalereien in der Begleitung und einige walzerähnliche Passagen.


Völlig anders dagegen beschreibt der Dichter im zweiten Nachtstück "Der Rock" das Geschehen, geradezu minimalistisch in der sparsamen Auswahl der Reime und in der fehlenden Bereitschaft, den Leser über die weitere Handlung zu unterrichten: Man erfährt am Gedichtende nicht viel mehr als beim Lesen der ersten Strophe.


Besonders originell im dritten Werk, dem "Notturno in Weiß", fand ich das Bestreben, um die Wette Nachtwache zu halten. Das ließe auch die Frage aufkommen, wem am Schluss des Gedichtes die Hauptrolle zukommen könnte. Etwa der "steinernen Familie", unter der man sich eine Statuengruppe vorstellen könnte, verdeutlicht von gemeißelt klaren Akkorden und Rhythmen im Klavier? Oder der Lilie, die hier vom Cello mal in weicher, mal in energischer, glühender Tonsprache beschrieben wird?